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Notizen

MV´s Notizen  

Einige Notizen werden in dieser Reihenfolge auf der Unterseite Gespeicherte Notizen aufbewahrt (2016/2017):

- Prof. Nolte/Historikerstreit

- Altbundespräsident Scheel

- Reichsbürger

- Altbundeskanzler Kohl ,

09.11.2018: Der 9. November ist Anlass für die Erinnerung an mehrere historische Geschehnisse, die sich an diesem Jahrestag ereignet haben. Heute wird besonders der Ausrufung der (Weimarer) Republik vor 100 Jahren gedacht: Fälschlich als erster Demokratie auf deutschem Boden und ebenso fälschlich als direkter Vorläufer unserer heutigen Verfassung. Man fragt sich bei mancher Kommentierung dieses Datums, welches Geschichtsverständnis bei uns Platz greift: Die Weimarer Republik hat als Demokratie schon vor Hitlers Machtübernahme versagt. Auch frühere deutsche Demokratieversuche im 19. Jahrhundert (Paulskirche 1848) scheiterten, wenngleich Rechtsstaat und ein Maß an parlamentarischer Mitbestimmung nach 1866 gewährleistet blieben. Die erste stabile, mit allen Vorläufern unvergleichliche  Demokratie ist in Deutschland ab 1948/49 entstanden und zwar mit Hilfe der westlichen Siegermächte des 2. Weltkriegs. Wir können also kaum mehr demokratische Tradition für uns reklamieren, als in den letzten sieben Jahrzehnten entstanden ist. Und wir sollten dabei nachholen, was zum politischen Selbstverständnis noch fehlt: Mit der Reichsgründung 1871 fand Deutschland seine nationalstaatliche Identität und verlor sie im 1. Weltkrieg. Dessen Ursachen, Verlauf und Folgen waren ein historischer Bruch; Deutschland büßte Teile des Staatsgebietes, der Wirtschaftskraft und der politischen Souveränität ein. In der 1918 ausgerufenen Republik ging es daher um eine neue, freiheitliche Politik- und Gesellschaftsordnung, vor allem aber um die Wiederherstellung  nationalstaatlicher Handlungsfähigkeit. Dies endete mit Nationalsozialismus und 2. Weltkrieg: Der zweite, noch größere Bruch in der staatlichen Geschichte Deutschlands. Er war nach dem Krieg  nur mit einem umfassenden politischen “Reset” zu überwinden und zwar mit der Eingliederung in die Gemeinschaft westlicher Demokratien. Erst auf dieser Grundlage konnte und kann sich eine nationale Ausrichtung Deutschlands entwickeln; im Grundgesetz wurden dazu wesentliche Prinzipien verankert (Rolle Deutschlands in der Staatengemeinschaft). Die Ausformung einer allgemein akzeptierten nationalen Identität, eines “konstruktiven” Nationalbewusstseins, ist aber trotz Begriffen wie “Leitkultur” oder “christlich-humanistisches Erbe” längst nicht abgeschlossen. Es würde Deutschland gut tun, diesen Prozess bewusst fortzuführen - parallel mit der stets nötigen Festigung von Demokratie und gesellschaftlicher Liberalität.

30.09./23.10.2018: Vor kurzem veröffentlichte BILD einen Artikel über die “Spaltung unserer Gesellschaft” - ein gerade wieder aufgekommenes politisches Thema. Natürlich weist BILD auf soziale, vor allem materielle, Unterschiede hin. Obwohl: Unser Staat gibt das meiste Geld für soziale Absicherung sowie Förderung von Benachteiligten aus, auch für Alterssicherung und Vermögensbildung. Und angesichts des Lebensstandards der breiten Masse ist es unwahrscheinlich, dass herkömmliche  soziale Fragen das Gefühl einer gesellschaftlichen Spaltung begründen können. Selbst der Wohnungsmangel in den großen Städten taugt dafür nicht: Jedermann kennt die Ursachen, die sich vor allem auf kommunaler und Länderebene finden lassen, und mit forcierten Bauprogrammen auch überwunden werden können.

Interessant ist die von BILD ausgemachte zweite Ursache: Große Teile der Bevölkerung, die Reformen, schnellem Wandel und Globalisierung skeptisch gegenüber stehen (auch wenn sie deren Vorteile nutzen) versus anderer, die sich den Veränderungen öffnen, sie voranbringen wollen und auf das Beharrungsvermögen der Passiveren keine Rücksicht nehmen. Ein damit verwandtes Gegensatzpaar wäre Anspruchsdenken versus Leistungswillen, ein weiteres das Festhalten an Besitzständen versus notwendiger Anpassung an die Realität. Aber sind solche, wohl in jeder Gesellschaft vorhandenen, Sicht- und Verhaltensweisen in jüngster Zeit so dominant geworden, dass sie das Thema “Spaltung” nun an die Spitze der politischen Tagesordnung bringen?

BILD wie auch die meisten anderen politischen und journalistischen Teilnehmer an der “Spaltungsdebatte” verfehlen einen Hauptpunkt, dem allerspätestens seit der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2016 (AfD auf Anhieb mit über 24% zweite politische Kraft) nicht mehr ausgewichen werden durfte: Die Frage der eigenen (nationalen) Identität. Wieviel Europa, wieviel nationale Eigenständigkeit und Interessen? Welche Zuwanderung, in welchem Ausmaß? Welcher Weg und welches Ziel für die Integration insbesondere von Millionen Muslimen? Dies wurde nie überzeugend geklärt und die (besonders in Ostdeutschland) aufbrechende Kluft durch einen undifferenzierten Kampf der politischen Mehrheit “gegen Rechts” (einschließlich der legalen Rechten) vertieft. In einer Demokratie reicht es jedoch nicht, sich auf eine Mehrheitsmeinung zu berufen, wenn ein substantieller Teil der Bevölkerung “abdriftet” und in der politischen Mitte fehlt. Man muss versuchen, den demokratischen Konsens zu finden, wo immer dies möglich ist, nötigenfalls nur sektoral begrenzt, aber stets mit Respekt vor andersdenkenden Demokraten.

Nach der Bayern-Wahl, wo der Zuspruch zu den Grünen in großen Städten aufhorchen ließ, deutet sich in öffentlichen Kommentaren eine weitere vermeintliche Spaltung an - die zwischen Stadt und Land. Aber einen deutlichen Gegensatz zwischen beiden gab es immer, jedenfalls zwischen Metropolen und der “Provinz”: Metropolen entwickeln ihr eigenes Selbstverständnis, ein eigenes politisches Ökosystem. Ihre beruflichen wie persönlichen/privaten Entfaltungsmöglichkeiten schaffen eine eigene Vorstellungswelt und ein liberales Anspruchsdenken. Jedoch: Auch die Metropolen müssen für das gewonnen werden, was einen Staat und seine Gesellschaft ausmacht und einigen sollte - was soll unser Staat sein und wie tragen auch die Metropolen dazu bei? Es wäre nicht sinnstiftend, dies politisch so blutleer herunterzubeten wie bisher.

Juli 2018: Gehört der Islam zu Deutschland? Diese Frage findet zwar auch Platz in der “Spaltungsdebatte”, weist in ihrer politischen Bedeutung aber weit darüber hinaus. Sie wird mehr durch Behauptungen als Fakten geprägt.

1. Behauptung: Deutschland ist christlich-jüdisch geprägt.

Dieser Bezug auf das Judentum ist schwer verständlich und nur aus der Entstehungsgeschichte des Christentums gerechtfertigt (Altes Testament). In Deutschland waren die Juden eine missachtete, nicht dazugehörige, in schlimmen Zeiten auch unterdrückte und verfolgte Minderheit. Trotz der jüdischen Impulse in Kultur, Wissenschaft und wirtschaftlicher Entwicklung ist die Verknüpfung “christlich-jüdische Prägung” daher Geschichtsklitterung und angesichts ihres Schicksals im Dritten Reich eine unsensible Vereinnahmung der Juden. Edmund Stoiber, seinerzeit bayerischer Ministerpräsident, sprach deutlicher und zutreffend von den “christlich-jüdischen Wurzeln” der deutschen Kultur.

Seit dem 15. Jahrhundert entsteht mit dem Erstarken von Bürgertum, der kulturellen Rückbesinnung auf die Antike (Griechenland, römisches Reich) und dem Fortschritt der Wissenschaft der “Humanismus”. In der wechselvollen Geschichte folgender Jahrhunderte verbreiten sich humanistische Vorstellungen  - teils parallel zum christlichen Glauben, teils im Gegensatz dazu - und bestimmen bis heute zunehmend unsere Kultur und Politik. Gleichwohl prägt das Christentum bis Anfang des 20. Jahrhunderts gesellschaftliche Verhaltensweisen und Regeln. Mit dem Nationalsozialismus folgt der historische Bruch in der kulturellen Entwicklung unseres Landes. Nach dem Zweiten Weltkrieg geht die formalrechtliche Bindung an das Christentum zurück - vor 70 Jahren gehörten 90% der Deutschen zu den christlichen Kirchen, heute sind es 54% - und das kirchliche Leben wird ärmer. 2017 haben die beiden großen christlichen Kirchen 600.000 Mitglieder verloren.

Der Humanismus wirkte auch auf die christliche Lehre ein. So gehört die (lutherische) Reformation zur  humanistischen Entwicklung, als sie die unmittelbare Verantwortung des Gläubigen vor Gott in den Mittelpunkt rückt. Einer priesterlichen “Vermittlung” zwischen dem Gläubigen und Gott bedarf es demnach ebenso wenig wie einer (päpstlichen) Zentralinstanz der Kirche. Die “katholische Soziallehre” verbindet im 20. Jahrhundert christliches und humanistisches Denken als Reaktion auf den Kapitalismus: Die Wirtschaft soll dem Gemeinwohl dienen, die Gesellschaft soll sich solidarisch verhalten, die kleinen Initiativen und Unternehmungen sollen vor den großen Einheiten (Konzernen) gefördert werden.

Die französische Revolution 1789 gilt als eine Explosion des Humanismus; aus ihr entstehen Vorstellungen für künftige Gesellschaftsordnungen und staatliche Politik. Das Motto der Revolutionäre (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit) wird dabei oft missverstanden: ”Gleichheit” geht über die Gleichheit vor dem Gesetz und die Gleichberechtigung hinaus; sie ist sozialistisch gemeint. “Brüderlichkeit” drückt (ohne Gottesbezug) den Wunsch nach dem Zusammenleben in einer idealen Gesellschaft aus (politisch-emotionaler, kein rechtlicher Begriff). Sozialismus und Kommunismus sind legitime Kinder der französischen Revolution, wobei die “Freiheit” des Einzelnen im späteren Marximus/Leninismus verloren geht.

Liberalismus und Atheismus sind ebenso Ausprägungen des Humanismus, auch sie finden Nährboden in der Ideenwelt der französischen Revolution. Der Humanismus insgesamt, mit seinen Einflüssen auf die christlichen Religionen, als Atheismus, in Form des Sozialismus oder Liberalismus, hat Deutschland in der Neuzeit mehr bewegt und auch nach vorn gebracht als die christliche Heilslehre. Deshalb gilt: “Deutschland ist von Christentum und Humanismus geprägt”; dazu gehört der früher öfter gebrauchte Begriff vom “christlich-humanistischen Erbe”.

2. Behauptung: Der Islam ist mit dem Grundgesetz und unseren Gesetzen nicht vereinbar.

Der Koran, wie die Bibel im Christentum, ist Schlüssel zum Verständnis des Islam und in deutscher Sprache verfügbar. Trotz klarer historischer und theologischer Bezüge und Übereinstimmungen, die es zwischen den monotheistischen Religionen der Juden, Christen und Muslime gibt, grenzt sich der Islam bewusst und auch mit Verachtung/Entrüstung von Juden- und Christentum ab. Der Gegensatz ist nicht allein theologisch zu verstehen, sondern erklärt sich auch historisch aus den politischen Konflikten des Nahen Ostens im 7. Jahrhundert. Ähnlich den mittelalterlichen Herrschaftsverhältnissen im christlichen Europa, kommt es in der islamischen Welt bis heute zu einer Umsetzung des Glaubens in staatliche Politik. Eine besondere Stoßrichtung zielt dabei auf Israel und bedroht dessen Sicherheit. Dies betrifft uns rechtlich insofern, als wir nach Art. 25 des Grundgesetzes den allgemeinen Regeln des Völkerrechts verpflichtet sind - sie garantieren das Existenzrecht Israels.

Von gläubigen Muslimen wird der Koran nicht nur als das wahre Wort Allahs begriffen, sondern auch über weltliche Gesetze gestellt. Wie im mittelalterlichen Deutschland stellt sich die Frage, wer die höchste Macht ausübt - die geistliche oder eine weltliche Autorität. Die Auffassung, dass der Koran Vorrang habe und das Leben bestimmen müsse, ist ein offener Anspruch islamischer Religionsführer. Das im Islam angelegte Konfliktpotential für unser Zusammenleben mit gläubigen Muslimen ist unbestreitbar, ergibt sich jedoch nicht zwangsläufig aus dem Koran-Text selbst, sondern aus davon abgeleiteten Schriften und Regeln (ähnliche Systematik im Christentum; kirchliche Lehre interpretiert die Bibel und setzt konkretere Regeln). Am deutlichsten wird das Konfliktpotential in der Scharia (nicht Teil des Korans) und beim islamischen Frauenbild.

Gläubige Muslime fühlen sich herausgefordert, wenn der Koran als göttliche Wahrheit angezweifelt wird. Dies ist hier nicht zu kommentieren; allerdings existieren im Islam unterschiedliche Interpretationen, wie der gegensätzliche Wahrheitsanspruch von Schiiten und Sunniten beweist. Und Vertreter der in Deutschland lebenden Muslime weisen in Diskussionen über den islamistischen Terror auf die friedvollen Bestimmungen im Koran hin, wenngleich sich darin auch die Aufforderung zum gewaltsamen Kampf gegen die Ungläubigen findet. Inwieweit die Muslime zu einem gemeinsamen Verständnis des Islam kommen können, mit dem sie sich widerspruchsfrei unserem Recht unterordnen, ist noch unklar. Jedenfalls ist diese Unterordnung eine aktuelle Bringschuld der Muslime: Das Grundgesetz geht vor und zwar in allem und man muss sich darin fügen.

Theologie und Praxis sind verschiedene Dinge: Was theologisch unvereinbar ist, kann sich im täglichen Leben auflösen. Es gibt dazu Schätzungen, wonach lediglich ein Drittel der 4,5 Millionen bei uns lebenden Muslime ihren Glauben täglich praktiziert und - ähnlich wie bei den christlichen Gläubigen - eine Entwicklung zur Verweltlichung des Lebens (Säkularisation) stattfindet. Für diese Einschätzung spricht, dass etwa 40% der muslimischen Mitbürger die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen und etwa 75% seit mehreren Jahren und länger in Deutschland leben. Das besagte theologisch-politische Konfliktpotential zwischen dem Islam und unserer Lebensweise hat für die meisten hier lebenden Muslime keine entscheidende Bedeutung (Anmerkung: Wechselwirkungen zwischen türkischer Politik und Türkischstämmigen in Deutschland haben eher mit nationalen Emotionen zu tun. Ihnen wäre mit entsprechenden Argumenten zu begegnen.).

3. Behauptung: Hier lebende Muslime gehören zu Deutschland, ihr Glaube nicht.

Dies kollidiert mit Art. 1 Grundgesetz, wonach die Würde des Menschen unantastbar ist. Bei der Aufenthaltsgenehmigung wie bei der Einbürgerung ist keinem Muslim eine Erklärung abverlangt worden, in der er sich von seinem Glauben distanziert. Vielmehr akzeptiert das Grundgesetz den Glauben als Teil der individuellen Persönlichkeit. Es gewährt Glaubensfreiheit; der Islam darf hier praktiziert werden, Moscheen sind erlaubt und existieren; in Schulen wird über den Islam unterrichtet. 5 bis 7% der Bevölkerung sind muslimisch; ein Teil davon lebt in zweiter oder dritter Generation bei uns - mit der persönlichen Bindung an den Glauben. Auch wenn der Islam Deutschland in unserer über tausendjährigen Geschichte nicht geprägt hat, wie immer wieder erklärt wird - heute ist er da und er bleibt: Nicht als eine abstrakte Macht, sondern mit den Menschen, die sich zu ihm bekennen. 

Es ist klar, dass Konflikte zwischen islamischen Glaubensvorstellungen und unserer Rechts- und Gesellschaftsordnung gelöst werden müssen und zwar durch konsequente Anwendung der Gesetze, Eingliederung der bei uns lebenden Muslime in unser Bildungssystem und vielfältigen Dialog. Denjenigen, die auf Dauer bei uns leben wollen und womöglich die Staatsbürgerschaft anstreben, dürfen wir abverlangen: “Es ist unser Land und ihr müsst nicht nur bei, sondern mit uns leben.” Eine Selbstverständlichkeit, die sich inzwischen mit der Forderung verbindet: “Der Islam hat Deutschland nicht geprägt und soll es auch künftig nicht”;  dies wird die öffentliche Debatte noch befeuern. Aber alles braucht seine Zeit, die Durchsetzung des Rechts ist dabei das sofort verfügbare Mittel, um Klarheit zu schaffen und den Rechtsfrieden in der gesamten Bevölkerung zu wahren.

Versuche, die Debatte über den Islam auf die starke Zuwanderung von Muslimen in den letzten drei Jahren oder mit dem islamistischen Terror zu konzntrieren, erscheinen unredlich. Wie gesagt: Die meisten Muslime leben seit Jahren oder Jahrzehnten unter uns und auch ohne anhaltende Migration wird die Zahl der Muslime im Verhältnis zu den christlichen Bürgern zunehmen. Es lohnt immer, sich der Realität zu stellen und sicherlich ist die Grußbotschaft des Bundesinnenministers an die Muslime in Deutschland, die er ihnen anläßlich des Ramadans 2018 übermittelt hat, in diesem Sinne zu verstehen. Befürchtungen im rechten politischen Spektrum, dass der Islam unser gesellschaftliches Leben zunehmend bestimmen könnte, erscheinen oft engstirnig durch überholte Vorstellen aus alten Zeiten geprägt; in Wirklichkeit geht es um Demographie (niedrige Geburtenrate deutscher Frauen) und vor allem um die schwindende Überzeugungskraft der christlichen Kirchen, weniger um die bisherige Zuwanderung.

Flüchtlingskrise: “Wir schaffen das” - nur nicht in dieser oder der nächsten Legislaturperiode

I. (23.10.2018) Laut BAMF gab es Ende April 2016 mehr als 1,5 Millionen Asylanten in Deutschland (abgeschlossenes und noch offenes Anerkennungsverfahren); damit hatte Deutschland in der EU die höchste Zahl an registrierten Flüchtlingen. Der Zustrom vor allem in der zweiten Hälfte 2015 überforderte die zuständigen Behörden (keine systematische Registrierung und sichere Identifizierung, schleppende Asylverfahren; Sicherheitsprobleme). Eine angemessene Unterbringung erwies sich als unmöglich (Standards, unerwünschte Gruppenbildung, unbegleitete Jugendliche). Auch wenn Politiker dies relativieren: Es gab 2015 einen massiven Kontrollverlust des Staates, der 2016 mit großen, vor allem ehrenamtlichen Anstrengungen eingedämmt werden musste. Die Folgen sind bis heute deutlich spürbar und schlagen sich in Wahlergebnissen nieder (Unsicherheit, ob alle Flüchtlinge erfasst und richtig identifiziert wurden; Kriminalität und Radikalisierung junger Migranten; Angst vor weiteren Migrationswellen und Überfremdung). Die administrativen Defizite von 2015 konnten zwar weitgehend abgebaut werden, viele Asylverfahren waren aber wegen lückenhafter Bearbeitung wieder aufzurollen; eine erhebliche Zahl von Asylbescheiden wird auch von den Gerichten aufgehoben.

2017 wurden in der EU etwa 650.00 Asylanträge, davon knapp 190.000 - also mehr als ein Viertel - in Deutschland registriert. Nach Abzug von Abschiebungen und anderen Rückführungen lag der Zuwachs an Migranten mit etwa 160.000 in einem politisch als noch beherrschbar angenommenen Rahmen. Bis 30. September 2018 wurden in Deutschland 142.000 Asylanträge gestellt, von denen etwa ein Drittel anerkannt wurde bzw. wird (fallende Tendenz); zwei Drittel - die als Asylbewerber abgelehnten Migranten - müssten Deutschland kurzfristig verlassen. Hochgerechnet auf den 31. Dezember 2018 ist ein Anstieg auf 180/190.000 Asylbewerber zu erwarten, abzüglich der tatsächlichen Rückführungen vermutlich wieder mit einem weiteren Jahreszuwachs bis zu 160.000 Migranten. (Damit steigt auch die Zahl der eigentlich Ausreisepflichtigen, trotzdem in Deutschland Verbleibenden noch weiter an. Sofern sie “viele” Jahre bleiben - wie mit ihnen umgehen? “Spurwechsel”?).

Zur Binnenmigration, d.h. der versuchten Zuwanderung von registrierten Asylbewerbern aus anderen EU-Ländern (Migration á la carte), sind nachvollziehbare Zahlen weniger leicht zu ermitteln. Innerhalb eines Jahres soll es 70.000 solche Fälle gegeben haben.

Die berufliche Integration von  bisherigen und jährlich hinzukommenden Zuwanderern - den Lebensunterhalt zu bestreiten ist Gradmesser des Integrationserfolgs! -  fordert eine große nationale Anstrengung, wobei es gelingen muss, sowohl den Zuwanderern als auch der sie aufnehmenden Gesellschaft eine positive Perspektive zu erhalten (Sprache, Ausbildung, Arbeitsmarkt), um unerwünschte Entwicklungen zu vermeiden (Ghettoisierung, Parallelgesellschaften, Kriminalität). Dabei ist bedenklich, dass die Integration früherer Generationen von Zuwandern nicht in vollem Umfang gelungen ist (Bildungsrückstand, Frauen, beruflicher Aufstieg, spätere gesellschaftliche Desintegration). Bei den jungen arbeitsfähigen Flüchtlingen soll die Hälfte der nach 2016 Zugewanderten keinen Schulabschluss haben. Für die Kinder der Migranten werden die Aussichten in den nächsten fünf bis zehn Jahren jedoch besser werden, da sie das deutsche Schulsystem durchlaufen.

Innerhalb eines Jahres (2017/18) sind lt. BA 110.000 Migranten in Arbeit und Berufsausbildung gekommen, davon nur 89.000 in sozialversicherungspflichtige Arbeit. Die berufliche “Integrationsfähigkeit” liegt unter 100.000 pro Jahr. Jedes Jahr mit einem weiteren hohen Zugang von Flüchtlingen schiebt den Integrationserfolg hinaus: Derzeit bleibt der Integrationserfolg hinter dem Bedarf zurück. Die Integration muss für eine Reihe von Jahren verdoppelt werden, um die Migration aus Vorjahren sowie den laufenden Zuwachs zu bewältigen. (Ein Hinweis der Bundesregierung, wonach zur Zeit 320.000 Migranten berufstätig sind, schließt Ausbildungsverträge sowie 74.000 geringfügig Beschäftigte ein - Schönfärbung!)

II. Der Versuch, die Lasten der Zuwanderung durch verbindliche Verteilungsquoten in der EU zu mildern, scheiterte schon 2015 endgültig. Und in Deutschland bleiben Debatten über eine konsequente Abschiebung abgelehnter Migranten illusionär; Rechtslage und praktische Möglichkeiten setzen enge Grenzen.

Vorrang hat die  Reduzierung des Migrationsstroms. Deshalb sollen die Kriegsflüchtlinge im Nahen Osten möglichst in der Region verbleiben. Dazu erhalten die Türkei, Jordanien und der Libanon mit Hilfe der Vereinten Nationen (UNHCR) Unterstützung für die Versorgung der Flüchtlinge (neben Nahrung, Unterbringung, medizinischer Betreuung und Sicherheit sollen auch Schulbesuch und Arbeitsplätze gefördert werden.). Am 18.03.2016 wurde ein entsprechendes Abkommen zwischen EU und Türkei geschlossen. Dessen Hauptnutzen liegt indes in der Unterbindung des Schleuserwesens in der Ägäis durch die türkischen Behörden. Stabilität und Dauerhaftigkeit des Abkommens sind angesichts der politischen Spannungen zwischen EU und Türkei nicht zu beurteilen.

Vor und parallel zu dem EU/Türkei-Abkommen haben mehrere EU- und Nicht-EU-Staaten nationale Sperrmaßnahmen in Kraft gesetzt und damit erreicht, dass Massenmigration über die Balkan-Route nicht mehr möglich ist. Vorherige politische Kritik, wonach nationale Maßnahmen unnütz und europapolitisch schädlich seien, wurden durch die Praxis widerlegt.

Um ungeregelte Zuwanderung zu verhindern, sind künftig die Grenzen des Schengen-Raums wirksam zu sichern. Die dazu eingeleitete Ertüchtigung von FRONTEX reicht für sich allein nicht aus. Vielmehr müssen für die Mittelmeerroute internationale Steuerungs- und Rücknahmeabkommen erreicht werden und zwar mit afrikanischen Staaten von der Mittelmeerküste bis südlich der Sahara. Hierzu gibt es vielfältige Aktivitäten der EU sowie von betroffenen EU-Mitgliedsstaaten.

Als wesentlicher Ansatz zur Migrationsreduzierung wird die Beseitigung von Fluchtursachen gesehen. Die bisherigen Überlegungen dazu kranken jedoch an einer politischen und humanitären Fehlhaltung: Eigene Betroffenheit, faktische wie emotionale, wird umgesetzt in Vorstellungen, wie “wir” die Probleme lösen sollten. Das geht weit an deren Dimension, unseren Möglichkeiten (auch denen der EU) und den politischen Realitäten in den Herkunftsländern der Migranten vorbei. Es wäre eine globale Entwicklungspolitik nötig, die es nur in Ansätzen (Vereinte Nationen) gibt. Wir müssen uns auf pragmatische, selektive und temporär wirksame Projekte bzw. Maßnahmen konzentrieren. Die Gewährleistung humanitärer Verhältnisse nach deutschen Standards kann dabei ebenso wenig Voraussetzung für solche Projekte/Maßnahmen sein wie die Verwirklichung ambitionierter entwicklungspolitischer Ziele; entscheidend ist die umgehende Begrenzung der Fluchtbewegungen nach Westeuropa. Die Mitwirkung der Herkunftsländer ist dabei unverzichtbar. Konkrete Vorhaben der Bundesregierung (Entwicklungsminister Müller) sind noch nicht sichtbar; eine überzeugende Lösung fehlt!

Eine Lebenserfahrung hat sich 2015 dramatisch bestätigt: Wehret den Anfängen. Man sollte das Heft in der Hand behalten und eine Krise sofort eindämmen! Ebenso gilt aber: Die Überwindung der Krise muss an der Stelle ansetzen, bis zu der sie sich entwickelt hat. Mit anderen Worten: Deutschland muss die Integration von Migranten in Millionen-Größenordnung bewältigen.

Das jetzt und mittelfristig Machbare lässt sich großenteils berechnen, so für die Bildung (Kita bis berufliche Ausbildung), den Wohnungsmarkt und den Arbeitsmarkt. 2015 sind zwischen 200.000 und 300.000 Kinder zugewandert; bei einer Klassengröße von 15 gäbe es einen zusätzlichen Bedarf an Lehrkräften von bis zu 20.000; dazu kommt die Sprach- und Berufsausbildung von Erwachsenen. Dies ist nicht auf der “Ideallinie”, sondern nur mit Kompromissen und Rückwirkungen auf die deutschen Schüler zu schaffen. Der 2015 bundesweit geschätzte Bedarf von 340.000 zusätzlichen Wohnungen ist vor 2020 keinesfalls realisierbar, auch nicht mit einem Rückgriff auf Wohnraum, der sonst der einheimischen Bevölkerung bereitgestellt werden könnte und von ihr benötigt wird. Nach anfänglich optimistischen Äußerungen zur Aufnahmefähigkeit des Arbeitsmarktes und zur Qualifikation bzw. Qualifizierung von Migranten ist klar, dass es bei der beruflichen Integration um eine Generationenaufgabe geht (siehe oben).

Trotz politischer Beschwichtigung: Es gibt Verdrängungseffekte für die ansässige Bevölkerung! Sie wirken sich auf die schulische Bildung, die Verfügbarkeit einfacher Berufsangebote, auf kostengünstige Sozialleistungen und bezahlbaren Wohnraum aus. Wegen der enormen Kosten als Folge der bisherigen Migration nach Deutschland wird der Investitionsbedarf von Bund und Ländern nicht in vollem Umfang gedeckt werden und auch die eigentlich notwendige Aufstockung des Verteidigungshaushalts wird unterbleiben.

III. Auf die Flüchtlingskrise war Deutschland nicht vorbereitet. Die Vorzeichen wurden ignoriert; maßgeblich war ein politisches Defizit: Die Globalisierung muss nicht nur wirtschaftlich, sondern gerade auch sicherheitspolitisch besser verstanden werden. Die Konflikte im Nahen Osten und in Nordafrika wurden zur Hauptursache für die massenhafte Zuwanderung nach Deutschland. Sie waren von uns (und der EU) nicht zu verhindern. Wir müssen jedoch besser auf Krisen vorbereitet sein, sie frühzeitig erkennen und ihre Konsequenzen systematisch abschätzen (Daran mangelte es schon beim russischen Vorgehen gegen Georgien 2008, später im Fall Ukraine und auch bei der jahrelangen Fehleinschätzung des Afghanistan-Einsatzes als Nicht-Krieg.).

Künftig muss eine systematische und kontinuierliche Beurteilung der Sicherheitslage durch die Bundesregierung gewährleistet sein, einschließlich vollständiger und vorbehaltloser Risikoabschätzung: Eine integrierte Analyse, die regelmäßig und ressortübergreifend beschlossen wird. Anscheinend gibt es im Bundessicherheitsrat keinen solchen Prozess!

Besonders kritisch war der (immer noch zu beobachtende) Unwille, sich nüchtern mit der Massenzuwanderung auseinanderzusetzen. Aber: Es gehört zu den Kernaufgaben des Staates, die Zuwanderung nach Umfang (Staatsziel) und Zustrom (ordnungsgemäße Aufnahme) zu regeln. Die konsequente Kontrolle und Steuerung der Migration ist dabei das Eine, in welchem Umfang Deutschland und EU sie dann legal zulassen, das Andere. Was die EU anbelangt, müssen wir Vernunft walten lassen: Wir können unsere Politik den anderen Mitgliedstaaten nicht einfach überstülpen. Die EU ist nur insoweit in Anspruch zu nehmen, als dies in Verträgen geregelt ist.

Ferner Bürgerkrieg und dadurch ausgelöste Migration kann direkte Wirkungen bis in unsere Sozial- und Gesellschaftsordnung haben. Deutschland wird sich aufgrund der massiven (muslimischen) Zuwanderung verändern (Lammert). Dies darf nicht ungeregelt ablaufen, sondern muss gestaltet werden. Man kann die Integrationsaufgabe auch nicht dezentralen Initiativen, etwa auf Gemeindeebene, oder den individuellen Werdegängen der Migranten überlassen; Teillösungen wie Sprach- und Integrationskurse reichen nicht aus. Auf die Herausforderung millionenfacher Integration muss der Bund als Ganzes reagieren und die Steuerung übernehmen. Dies muss sich auf beide Seiten, die Migranten und die sie aufnehmende Gesellschaft, richten. Fixpunkt für die Steuerung der Integration muss der Erhalt des humanistischen Erbes sein, wie es sich in unserer Rechts- und Gesellschaftsordnung widerspiegelt. Mit der Absicht, ein Integrationsgesetz zu schaffen, hat die Bundesregierung ihre Steuerungsfunktion offenbar anerkannt. Das am 31.07.2016 dazu erlassene Bundesgesetz  ist ein pragmatisches Artikelgesetz, wird jedoch weiter entwickelt werden müssen.

Rechts vor links ?

(Stand 07.2017, rev. 12.2017/10.18) Neben dem bei uns eher emotional als rational geführten Kampf gegen Rechts kann medial nur der Kampf gegen den islamistischen Terror bestehen. Klar, denn dieser Terror hat in unserem Land und international zahlreiche deutsche Opfer gefordert, nicht zuletzt im Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr. Dagegen geriet die terroristische Bedrohung durch Linksextremisten bei den deutschen Medien aus dem Focus; in der Tagespolitik wurde sie nur beiläufig als Ziel der Extremismusbekämpfung erwähnt. Bundesministerin Schwesig (SPD) erklärte 2014 dazu, dass “Linksextremismus ein aufgebauschtes Problem” ist; sie war seinerzeit für Jahresprogramme in der Größenordnung von 50 Mio Euro zur “Extremismusprävention und -bekämpfung” verantwortlich. Diese Millionen wurden gegen den Rechtsextremismus eingesetzt, die Mittel gegen Linksextremismus gestrichen.

Der Gipfel

Die Hamburger Polizei hat bei ihren jährlich wiederkehrenden Einsätzen gegen Linksextremisten viel von dem erlebt, was beim G-20-Gipfel im Juli 2017 erwartungsgemäß eine weitaus größere Dimension erreichte. Das Schanzenviertel (Theaterruine “rote Flora”, im öffentlich-rechtlichen Fernsehen als “Kulturzentrum” bezeichnet) und der Bereich Hafenstraße gelten als tolerierte Stützpunkte linker Extremisten, spätestens seit sich der ansonsten verdiente 1. Bürgermeister der Stadt, von Dohnanyi, 1988 nicht traute, das Hafenstraßen-Problem (unrechtmäßig besetzte Häuser, verschanzte Chaoten) tatkräftig zu lösen. Diese “Szene” ist international vernetzt und hat die Mobilisierung auswärtiger Politaktivisten unterstützt, die u.a. mit einem Sonderzug aus Basel am Hamburger Hauptbahnhof ankamen.

Was während des G-20-Gipfels in Hamburg als linker Terrorismus zu sehen war, hat zwar bei weitem nicht zum Umsturzversuch gereicht, aber es war eine Erprobung des Möglichen, wobei die Schwelle zu bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen punktuell erreicht wurde. Polizeikräfte aus ganz Deutschland in Stärke von - militärisch umgerechnet - zwei Divisionen haben nicht ausgereicht, um die Lageentwicklung jederzeit und überall unter Kontrolle zu bringen: Ein selbstverständlicher Anspruch des Bürgers an seinen Staat!

Angesichts der terroristischen Bedrohungslage während des G20-Gipfels war das großenteils konsequente Durchgreifen der Polizeikräfte richtig, aber ihr letztlich defensives Einsatzkonzept griff “strategisch” zu kurz. Es ist im Einsatz unerlässlich, die Initiative zu gewinnen und zu behalten.

Öffentliche Ankündigungen aus linksextremistischen Kreisen, Erkenntnisse zu deren Kommunikation und Organisation mussten weit vor dem Gipfel Schlimmes befürchten lassen; die konsequente Einschaltung der Gerichte zur Durchsetzung maximaler Versammlungsfreiheit war dazu ein weiteres Indiz. Gleichwohl war die Initiative der Sicherheitsorgane zu Beginn der Demonstrationen schon verloren. Beispielsweise hatten die Terroristen an mehreren Stellen Ausrüstung verdeckt deponiert, um sich schnell vermummen sowie mit Werkzeugen und Brandmitteln ausstatten zu können. Sie tauchten überraschend als Demonstranten auf (schwarzer Block); für die beabsichtigten Straftaten brauchten sie kaum noch Vorbereitungszeit.

Am deutlichsten zeigte sich der Verlust an Initiative im Schanzenviertel: Es ist eine Taktik linker Terroristen, die Polizei von Dächern aus mit Pyrotechnik und Wurfgeschossen anzugreifen - so in früheren Jahren im Bereich der “roten Flora” geschehen. Dennoch wurden die Dächer nicht gesichert, so dass Polizeikräfte den Befehl zur Räumung der “Schanze” zunächst nicht ausführten, um sich nicht in Lebensgefahr bringen. Terroristen und Mitläufer nutzten die Zeit bis zum Eintreffen von Verstärkungen zur Errichtung brennender Barrikaden und zu Plünderungen. Offenbar haben zwei Faktoren zu dieser Lage geführt: Erstens eine Einschätzung von Verfassungsschutz und Polizeiführung, dass die linken Chaoten die Schanze - ihre eigene “Operationsbasis” - weitgehend verschonen werden; zweitens der Mangel an geeigneten Einsatzkräften. In der Schanze gelang den Terroristen ihr spektakulärster Erfolg.

Die Bilder von den Auseinandersetzungen sind erschreckend, geben die Situation aber verfälscht wieder. Hierzu ganz klar: Die Sachschäden waren stellenweise beträchtlich, insgesamt aber deutlich begrenzt, wobei die Betroffenen dies naturgemäß anders beurteilen. “Hamburg in Flammen”, “Hamburg ein Schlachtfeld” - Schlagzeilen eines fehlgeleiteten Zeitungsjournalismus! Denn: Es gab keine Todesfälle, kein Haus wurde angezündet; die Terroristen haben sich während des Gipfeltreffens auf spektakuläre Aktionen vor den Kameras konzentriert. Die Auseinandersetzung mit der Polizei war der Schwerpunkt; die Staatsmacht sollte getroffen werden und das gelang. Der Skandal liegt nicht im angerichteten Schaden, sondern - als ob es die RAF nie gegeben hätte - im langjährigen politischen Versagen gegenüber extremistischen Gewalttätern, die heute den Aufstand gegen Demokratie und Rechtsstaat proben und dies selbstbewusst ankündigen.

Bis heute (Oktober 2018) wurde eine Reihe Straftätern verurteilt und die (auch internationalen) strafrechtlichen Ermittlungen dauern an; darüberhinaus sind politische und rechtliche Konsequenzen nicht erkennbar.