Web Design
Glosse 1.19

Auf den Wähler zugehen ...

 

Wahlplakat einer regierenden Partei in Hamburg aus Anlass der Europa-Wahl: Man lädt ein zum “Frühjahrsschnack”. Inhaltliche Angaben, etwa zur Entwicklung Europas, waren anscheinend entbehrlich, vielleicht ging es um das Gefühl, mal wieder miteinander reden zu müssen.

Als Ort des Geschehens war ein Haus in der Kurt-Schumacher-Alle angegeben. Das letzte “e” hielt der Verfasser offenbar auch für überflüssig; man würde ihn gern mal sprechen hören.

Oben links gab es einen grünen Aufkleber mit der Aufschrift “Happy Nouroz”. Sie richtete sich an die Mitbürger, die am 20. oder 21. März das bei Türken und Kurden, in Persien und im Kaukasus, also vielerorts im Nahen Osten und am Schwarzen Meer traditionelle Frühlingsfest feiern. Die Menschen dort sind dafür bekannt, dass sie Anglizismen lieben und gern in ihre Sprache einbauen ...

Welche Stichworte kommen da in den Sinn: Zusammenhocken (schwäbisch: Hockete) als Mittel überzeugender Politik - Thema egal ... Anbiederung bei einer Wählergruppe ... aber mehr noch das Wort “Bildungskrise”. Nicht wegen des fehlenden “e”, sondern wegen Oberflächlichkeit, Gedankenlosigkeit, Anspruchslosigkeit im Umgang mit den Bürgern. Bildung ist eben nicht nur Wissen; sie hat mit der Persönlichkeit, mit deren Haltung und Ernsthaftigkeit zu tun. In Wahlkampfzeiten zeigen sich diesbezügliche Defizite deutlich.